Freiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe

 

Wer sich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchte, kann dies auch im Rahmen eines Freiwilligendienstes tun. Grundsätzlich gelten dieselben Rahmenbedingungen wie im FSJ oder BFD in anderen Einsatzbereichen (siehe Bundesfreiwilligendienst oder Freiwilliges Soziales Jahr). Es gibt im BFD allerdings auch ein Sonderprogramm – den „BFD mit Flüchtlingsbezug“. Dort gelten folgende Ausnahmen zum normalen BFD:

 

  • Man muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Auch unter 27jährige können diesen Dienst in Teilzeit absolvieren (mit mindestens 20,5 Stunden pro Woche).
  • Es kann spezielle Seminarangebote geben.

 

Zoé (19) und Alessa (18) machen zurzeit einen Freiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe. Hier erzählen sie von Ihren Erfahrungen.

 

 

 

Erfahrungsbericht Zoé

 

1. Wo machst Du Deinen Freiwilligendienst?

Ich mache seit 01.12.2015 einen BFD im Sonderkontingent bei der ABG in Riegelsberg. Die ABG (Ausbildungs-und Beschäftigungsförderungsgesellschaft GmbH) der Gemeinden Heusweiler und Riegelsberg kümmert sich um die Flüchtlinge in Riegelsberg und Heusweiler. Ich bin in Heusweiler im Rathaus eingesetzt.

 

2. Was für Aufgaben übernimmst Du dort?

Bei uns kommen 10 bis 15 Personen pro Monat an, Familien und mehrheitlich junge Männer. Wir unterstützen sie beim Ankommen: Wir weisen Wohnungen zu, die von der Gemeinde angemietet werden, fahren mit ihnen dorthin und erklären alles mit Hilfe unseres Integrationshelfers. Auch organisieren wir Termine beim Sozialamt, bei Ärzten oder zur Schulanmeldung und begleiten sie dorthin. Meistens unterstütze ich mit unserem anderen BFD’ler unseren Integrationshelfer, dieser ist Syrer und lebt seit 12 Jahren in Deutschland. Er übersetzt meistens und wir nehmen ihm Arbeit ab. Manchmal bin ich auch mit einem der Hausmeister unterwegs und kaufe Einrichtungssachen für die Wohnungen, z.B. Betten, Kochherde und Waschmaschinen.

 

3. Wie sieht dein Tag in der Einrichtung aus?

Ich beginne um 7 Uhr im Rathaus. Da setzen wir uns mit dem Integrationshelfer zusammen und machen einen Tagesplan und legen los. Um 11 Uhr kommen meist 5 bis 6 Personen, mit denen fahren wir z.B. zu Terminen beim Sozialamt in Saarbrücken. Danach kümmern wir uns auch um die Homepage http://refugees. heusweiler.de/, die eine Praktikantin erstellt hat.

 

4. Was machst Du gerne?

Der Kontakt mit den Flüchtlingen ist toll. Wir gehen gerne mit ihnen in die Stadt und zeigen ihnen ihre neue Heimat Saarbrücken. Oft gibt es nach Feierabend noch eine Einladung zum Essen bei den Familien. Das Essen ist echt: „himmlisch“!

 

5. Wie bist Du drauf gekommen einen Freiwilligendienst zu machen?

Ich wollte was wirklich Sinnvolles nach dem Abitur machen. Von der Möglichkeit einen Bundesfreiwilligendienst bei der AWO zu machen habe ich in der Zeitung gelesen. Erst habe ich mit einem Nebenjob etwas Geld verdient und gar nicht an ein FSJ oder einen BFD gedacht.

 

 

6. Wie gefällt es Dir? Was motiviert Dich?

Die Menschen zu integrieren ist so wichtig! Es ist sinnvoll! Wenn es uns so gehen würde, dann würden wir uns auch Unterstützung wünschen.

 

7. Hat sich seit Dienstbeginn schon etwas verändert?

Ich begegne jedem Menschen erst einmal unvoreingenommen, egal wo er herkommt. Die Medienberichte sind zu negativ gegenüber Flüchtlingen. Jeder Mensch sollte eine Chance bekommen sich zu integrieren. Es werden alle in eine Schublade gesteckt, wenn Einzelne gegen Regeln verstoßen

 

8. Welche Geschichten vom Dienst erzählst Du zuhause oder Freunden?

Viele Menschen haben schon eine voreingenommene Meinung gegenüber Flüchtlingen, die dadurch einen schwierigen Einstieg in unsere Gesellschaft haben. Aber ich erzähle immer viel von der Arbeit, auch mit Freunden und das hilft.

 

9. Was für gute Erlebnisse hast Du gehabt?

Generell die Gastfreundschaft der Flüchtlinge, bei denen man immer herzlich willkommen ist. Wir haben viele Sportvereine angeschrieben und einen Sportverein gefunden, bei dem die jungen Männer Fußball spielen können. Aufgrund der Sprachbarrieren begleiten Paten sie am Anfang dorthin. Wir haben gefragt, welchen Sport sie gerne machen würden und haben dann informiert. Andere genannte Sportarten wie Kampfsport, Judo, Ringen haben wir als Möglichkeiten in Betracht gezogen, aber natürlich wollten die meisten Fußball spielen.

 

10. Was würdest Du ändern bzw. verbessern, wenn Du könntest?

Mehr Engagement von jungen Menschen, damit auch Gleichaltrige für junge Geflüchtete da sind! Viele der Ehrenamtlichen und Paten sind nicht mehr berufstätig und haben somit Zeit den Flüchtlingen im Alltag zu helfen. Das ist toll, aber es werden auch noch mehr jüngere Menschen gebraucht, die einen anderen Zugang zu den 17-25 jährigen Männern bieten können.

 

11. Wie erlebst Du die Seminare der AWO und das pädagogische Team?

Tolle gemischte Gruppe mit total unterschiedlichen Menschen. Meine Betreuerin ist cool.

 

12. Hast Du Kontakt zum pädagogischen Team auch außerhalb der Seminare?

Bin noch zu kurz dabei! Das kommt aber bestimmt noch.

 

13. Ihr habt ja eine Anleiter/-in im Freiwilligendienst. Wer ist das?

Ich bin meistens mit dem Integrationshelfer unterwegs!

 

 

 


Ein weiteres Interview mit Hasan ist im AWO-Blog zum Thema Flucht zu finden: http://kampagnen.awo.org/post/25. Er berichtet von seinen eigenen Fluchterfahrungen und von seinem Engagement als BFDler in der Flüchtlingshilfe.